CeBIT 2012
Der Einladungstext für die CeBIT dieses Jahr müsste lauten: Kommen Sie – es könnte die Letzte sein! Gaukler, Schausteller und rauschende Standpartys werden Sie verzaubern. Das Partnerland wäre dann auch besser nicht Brasilien, sondern man würde zwischen die Hallen einen Nachbau der Kukulkan Pyramide aus Chichen Itza hinstellen und einen Maya Kalender. Wir gehen auch neue Wege und werden eine gigantische begehbare Brücke aus Lego – unter fachmännischer Aufsicht in Form eines Lego-Architeken – auf den Stand C69 in Halle 12 hinstellen. Schon allein deswegen lohnt sich das Kommen. Ich mach mich auf jeden Fall schick, sogar mit Krawatte. Das Fernsehen kommt mich nämlich besuchen und ich möchte aus der Verwandtschaft keine “unrasierter Clochard” Kommentare (etwas übertrieben, aber Sinngemäß) wie beim letzten Mal hören.
Ich wollte mich auch noch mal bei allen Teilnehmern für unsere sehr erfolgreiche Partner Roadshow in Karlsruhe, München, Leipzig, Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt für ihr Kommen und die vielen Gespräche bedanken. Jetzt steht noch Wien und Zürich auf dem Programm und dann ist erstmal Ostern. Sommerreifenzeit.
Heart Krypto
Spätestens nach dem Dateneinbruch bei RSA – schon wieder ein Jahr her – und dem damit verbundenen Angriff auf Lockheed hat vielen in Punkto Kryptographie (nicht zu verwechseln mit dem grünen Zeug, was Superman die Kräfte raubt) die Augen geöffnet: Sicher ist gar nix, außer Nepp beim Winterschlussverkauf und Kopfschmerzen am Rosenmontag. Jetzt wird an den Grundfesten des sicheren Bezahlens im Internet gerüttelt, SSL – das kleine Schloss im Browser – ist nicht 100% sondern nur 99,8% sicher. Die Vorhersagbarkeit von Teilen des Zahlenmaterials innerhalb der komplexen Mathematik (für G8 Schüler: Wird jetzt in der 5. Klasse schon behandelt) der SSL-Verschlüsselung ist je nach Schlampigkeit des Programmieres viel zu hoch. Und dann kommen auf einmal die Taiwanesen um die Ecke und wollen den Herzrhythmus zum Verschlüsseln nutzen. Ich habe das heute Morgen direkt mit meinem Internisten besprochen, ob die Blutdrucktabletten sich negativ auf mein zukünftiges Anmeldeverhalten an meinen PC auswirken könnten. Er wollte mich an einen Psychiater überweisen. Irre.
Fast vergessen: Helau und Alaaf und so…
Fast vergessen II: Viel Glück Herr Gauck und ich hoffe, dass die Farbe auf dem Ölgemälde mit Ihrem Konterfei in Bellevue schon trocken ist, wenn Ihre Amtszeit rum ist…
SID2012 – Safer Internet Day 2012
Unter dem Motto “Generationen verbinden und sich gegenseitig erziehen” (“Connecting generations and educating each other” => wer kommt auf solche Titel??) wurde gestern der Safer Internet Day 2012 vollzogen. Ich bin schon mit gutem Beispiel vorangegangen und habe das Facebook Konto meines Sohnes mit ordentlichem Passwort und Privatsphäreneinstellungen versorgt. Außerdem hatte ich ihm in einem Feldversuch gezeigt, was es heißt, auf sinnlose Links zu klicken. Damit alle etwas davon haben, gibt es auch den Radiobeitrag als Podcast (Maman: Das ist einfach nur eine MP3 Datei, die Du runterladen und auf Dein iPod kopieren kannst. Dann kann es Omi auch hören.). Ich hoffe es hat wenigstens einen Langzeiteffekt, da die Malware- und SPAM-Raten davor und danach ziemlich identisch waren.
à bientôt
Die tote Privatsphäre, als sie noch lebendig war
Zunächst das wahnwitzige: Der weltweite Internetdauerstammtisch aka Facebook will an die Börse. Das ist eine Lizenz zum Geldstapeln, aber vor allem ein Machtinstrument sondergleichen: Mit momentanen 845 Millionen registrierter Benutzer sind das etwa 12% der Weltbevölkerung. Wenn man mal China (etwa 1,3 Mrd), Indien (etwa 1,2 Mrd) und ein paar offline-Welt-Länder ausklammert sind es über 20%. Das ist ungefähr die Werbefläche vom Mond (note to self: ins Ideenbuch) und dementsprechend so teuer.
“Angeln gehen” mit gefälschten E-Mails, auch bekannt als Phishing mit so einer möglichen Empfängerliste, säuberlich sortiert nach Geschlecht, Alter und Vorlieben, hat etwas von Forellenpuff (Im Zuchtbecken: Angel rein, immer ein Fisch dran. Ist kein echter Sport). Deswegen haben sich auch ein paar der Internetgiganten zusammengetan und sagen dem Thema den Kampf an: Anti-Cyber-Cyber. Ich bin froh, dass mein Aufkleber am Briefkasten “keine Werbung einwerfen” zu 99% funktioniert. Der Rest ist “Infopost” …
Terra gegen Giga und Mega
Das Recht- und Unrechtbewusstsein hat sich in den letzten 40 Jahren stark verändert: Auf dem Pausenhof gab es einen ausgeprägten Darwinismus (vor allem weil Mutti nicht per Handy schnell zur Hilfe geholt werden konnte), allerdings waren Begriffe wie “Loyalität”, “falsch” und “richtig” einigermaßen sauber in den Köpfen der Menschen implantiert. Das digitale Zeitalter – nachdem wir BTX/CompuServe/AOL sauber überlebten und nun Internet pur genießen – hat vieles davon verändert. In der Flut von Informationen kann ich eigentlich keine wirkliche Meinung bilden, Objektivität und Authentizität bleibt auf der Strecke und damit ist es schwierig, das eigene Rechtsempfinden ordentlich zu füttern – Stichwort: Wikipedia für Schulaufsätze oder Referate, zum Beispiel. Dem eigenen Nachwuchs zu erklären, dass es nur noch die Hälfte glauben soll, ist auch nicht sinnig, es bleibt nämlich die Frage welche davon. Ein breiteres Thema (auch für Singles, kinderlose und werdende Eltern) sind Urheberrechtsverletzung: Das Besorgen und Anschauen eines (raub-)kopierten Films verkommt zu einer Art von grenzwertigem Kavaliersdelikt, vereinzelt wundern sich Menschen, wenn sie dann von abmahnwütigen Anwälten mit Post bedacht werden. Wenn man eine rote Ampel überfährt oder mit mehr als 50km/h in der Stadt herumdüst (in Wiesbaden eine grandiose Idee), wundert man sich nicht wirklich, dass Tage später ein beigefarbener Umschlag vom Regierungspräsidenten kommt (obwohl das Gesicht ähnliche Entgleisungen erfährt). In beiden Situationen ist die Rechtslage eindeutig, aber anscheinend ist zwischendurch etwas verlorengegangen. Die US-Behörden haben kürzlich die Internet-Platform Megaupload geschlossen, weil hauptsächlich unerlaubt kopierte Musik und Filme sich auf den Festplatten des Filehosters befanden. Jetzt schlagen die selbsternannten Robin Hoods des Internet zurück und greifen die Aufsteller der Urheberrechtsregeln an. Schräge Entscheidung, wenn man Partei ergreifen sollte…
SOPA, PIPA und PIPI
“Im Internet wird gestreikt” untertitelt heise. Ich dachte zuerst an die Franzosen, die bei jeder Kleinigkeit sofort in den Generalstreik gehen (Die Deutschen bekommen dafür ihren Hintern nicht schnell genug hoch), aber es geht um Proteste gegen Gesetzesinitiativen, die eine starke Zensur und Netzsperren mit sich ziehen, zum Wohle des Urherberrechts. Die Mitstreiker sind (in den USA) Wikipedia, Google und WordPress (auch die Heimat dieses Blogs). Am nettesten finde ich die Seite von boingboing.net: “503: Service Unavailable – Boing Boing is offline today, because the US Senate is considering legislation that would certainly kill us forever…”. Wie weit wird uns das bringen? Meiner Schätzung nach etwas zwischen 15 und 30 cm – mehr Platz für die Maus, wenn ich sie nicht mehr benutze, weil der Rechner aus bleibt (mal alle Touch* Benutzer ausgegrenzt). Realistisch wird sich am Internet nur etwas ändern, wenn der gemeine Nutzer sich wirklich bewusst wird, dass das www keine Spielwiese ist sondern ein Tummelplatz und zwar von Geschäftsleuten (gute und böse). Ein paar Enthusiasten halten an freien Inhalten fest, werden aber vom Kapitalismus platt gewalzt. Und wir unterstützen das mit dem Erwerb von Apps für 79 Cent alle kräftig mit. Da wünsch ich mir fast BTX zurück…in HD…
Inspektor Sophos vs. Koobface
Das Leben ist öfter mal wie ein Ausschnitt aus einem Groschenroman und zur Abwechslung auch wie aus einem – zugegebenermaßen abstrusen – Krimi: Spielcasinos, ein 3er BMW, Kätzchen, Erpressung, Viagra und viel Geld. Die Rede ist von der Enttarnung einer mutmasslichen Internet-Gang, die mit Hilfe des Koobface Computerwurms, der auf Facebook-Konten abzielt, auf unlautere Weise Geld verdient hat. Natürlich bin ich Stolz bei Sherlock Sophos (britischer geht es kaum) zu arbeiten, die einen Beitrag zur Aufdeckung dieser Machenschaften geleistet hat. Die Geschichte auf der Sophos Seite liest sich ein bisschen wie ein John Sinclair Roman und ist in kids-talk: voll krass, weil es so voll real ist. Neue Munition für alle Eltern dieser Welt, ihren Kindern über die Schultern zu schauen, wenn sie sich im Internet austoben.
Haushaltstrojaner
Ich kann nur aus erster Hand über ein mittel-entspanntes Vater-Sohn Verhältnis berichten, als es um das Thema Computer ging. Mein Vater hatte mich als IT-Sklave (allerdings ohne Kette oder Tattoo) eingespannt und ich verfluche Computer seither (“Auf dem Schirm steht was von an-den-Administrator-wenden. Das bist doch Du, oder?”). Er seinerseits war etwas restriktiver als es um das Thema Internetnutzung bzw. die Vorläufer ging oder generell um die Telefonrechnung. Er wäre allerdings nie so weit gegangen wie ein Polizist, der einen Trojaner auf den PC seiner Tochter installiert hat, um ihre Internetaktivitäten auszuspähen. Die Geschichte ist komplett in die Hose gegangen, als die Tochter einen (ihren?) Freund involviert hat, der aus der Hackerszene kam. Der hat nämlich dann Papas Rechner auf links gedreht, was abstruse Konsequenzen hatte und der große Schnüffelrechner der Bundespolizei abgeschaltet werden musste. Papa hatte wahrscheinlich gedacht, Töchterchen ist zu [mir fehlt gerade ein nicht-beleidigendes Wort als Ersatz für Unvermögen] oder es mit Rolf Millers Worten zu sagen: “Der Anteil der weiblichen CD-Bildschirm-Nutzer ist gering, wahrscheinz wg. der Rasanz”.
Sind alle Mädchen-Väter Leninisten? Zumindest hört beim Thema Internet das Urvertrauen der Eltern in ihre Kinder auf, jedenfalls bei denen, die wissen wo die Kiste angeht. Ich weiß, wovon ich spreche: Das Facebook-Konto-Thema meines Sohnes hat sich mittlerweile verselbständigt. In Unternehmen ist das nicht anders: Eigenverantwortliche Internetnutzung ist im Zuge der Gesetzes- und Malwareflut der (technisch machbaren) totalen Kontrolle gewichen, außer man hat einen Freund (nicht zwangsweise der oder die Gschpusi), der weiß, wie man den Kram ausknipst/austrickst. Das hat leider oft die gleichen Konsequenzen, wie in dem Beispiel oben. Deswegen weiß auch die Hausfrau von nebenan aus dem Frühstücksfernsehen was ein Denial-of-Service-Angriff ist. Cross-Site Request Forgeries kommen nächste Woche dran, wenn Wulff kein Thema mehr ist…
Das wird 2012
Empirischen Untersuchungen zur Folge (im wesentlichen durch die Beobachtung von leicht bis mittelschwer angeschickerten Erwachsenen während einer Sylvesterfeier) verfluchen 90% der Menschen das alte Jahr und freuen sich auf das Neue, denn es kann nur besser werden. Die anderen 10% haben entweder im Lotto gewonnen, sind frisch Eltern geworden, schwer verliebt oder generell zufrieden mit sich selbst und der Gesamtsituation. In den nächsten Jahren wird das nicht anders, Maya hin oder her. Es gibt auf jeden Fall ein paar Geister der Vergangenheit, die uns auch in Zukunft begleiten werden: Im Internet ist nichts umsonst – Schlampigkeit wird bestraft (entweder von Mutti oder von anonymous (was ist schlimmer?)) – sicheres Bezahlen im Internet, Funktstrom und Biogemüse bleiben Utopien – Politiker bleiben die gleichen Menschen, mit und ohne Haargel – Stecker ziehen ist keine Lösung (und der Strom wird nicht wirklich billiger dadurch). Das neue Jahr wird jedenfalls gut anfangen, denn der 1.1. ist ein Feiertag. Da der Mensch das schwerst-dressierbare Tier ist (alle Eltern werden jetzt nicken, auch wenn die Kinder schon 40 sind), werden die üblichen schlagzeilenträchtigen Datendiebstähle und -dummheiten auch im Jahr der Apokalypse passieren. Außerdem haben sich die selbsternannten “Robin Hoods des Internet” gerade erst warm geschossen und eine Million “gespendet” – man könnte hier eine Debatte über Computerspiele wieder aufleben lassen – und Kabelnetzbetreiber werden ihnen evtl. einen eigenen Kanal zur Verfügung stellen, selbstverständlich verschlüsselt und mit Jugendschutz-PIN.
Guten Rutsch oder wie die Maya sagen: Feiern, als wäre es das letzte Mal…
Bundes- oder T-Cloud
Das Bundesinnenministerium will eine Bundescloud aufbauen, erste Gespräche zwischen BSI und Telekom haben stattgefunden. In dem Bericht bei golem heißt es auch so schön: “Die Telekom-Tochter würde von einer solchen Initiative vermutlich stark profitieren.” Und ich in meiner Blödheit dachte, die Telekom wäre ein privatwirtschaftliches, politisch unabhängiges Unternehmen, völlig integer und würde ihren ehemaligen Behördenstatus für solche Dinge nicht missbrauchen. Ein Argument für die Bundescloud und gegen Datenspeicherung in der globalen (sprich amerikanischen) Cloud sind die Anti-Terror-Gesetzte in “manchen” Ländern, die beliebigen Datenzugriff ohne großes Nachfragen ermöglicht. Ich glaube persönlich, dass die Bundescloud nur ein Ausweichplan für ein eventuelles Scheitern des Bundestrojaners ist. Wenn man sich die Daten schon nicht auf fremden Festplatten anschauen kann, dann wenigstens auf den eigenen. Aber eins sag ich euch: An meine Rezepte für Cevapcici mit Djuvec und überbackenen Topfenpalatschinken kommt ihr nicht dran! Alles gelöscht und nur noch handschriftlich verewigt. Danke noch mal Opi!

