Qualität vs Quantität

Ich weiß nicht, ob ich unbedingt eine Lanze für Softwarehersteller in der IT Industrie brechen möchte (schwierig es nicht zu tun, wenn man selbst Teil des Apparats ist) aber die Frage der Qualität ist eher eine Frage der Erwartungshaltung.

Nehmen wir z.B. mal den jüngsten Ausritt eines Anti-Viren-Herstellers in die Untiefen der Qualitätssicherung. Das war nicht der Erste dieser Art und wird auch nicht der Letzte bleiben. Die Umstände sind es aber, die man vielleicht genauer betrachten müsste. Den Kopf schütteln und alles „völlig inakzeptabel“ finden ist auf jeden Fall keine Lösung. Faktoren, die die Softwareentwicklung der Anti-Malware -Industrie beeinflussen sind:

Die aktuelle Bedrohungslage

Wir haben Stand heute teilweise Spitzen von mehr als 100.000 Samples und mehr als 30.000 Neuinfektionen von Webseiten pro Tag. Schnellstmögliche Reaktionen sind oberste Ziele der jeweiligen Labore und sicherlich auch Kundenwunsch zeitgerecht geschützt zu sein. Kompromisse werden nicht akzeptiert. Bei der Vielzahl der Plattformen, die die meisten Hersteller unterstützen, ist die Qualitätssicherungsabteilung einer starken Belastung ausgesetzt.

Das Verhalten der Cyberkriminellen

Die Bandbreite reicht heute von Chinesischen Schulkindern bis hin zu solchen Kameraden wie Bernard Madoff (der Begriff Cyberkrimineller ist dehnbar). Der picklige Ganzjahresparkaträger ist definitiv passé. Reaktionszeiten von wenigen Stunden, um über den Globus verstreut Geldautomaten zu leeren, lässt Profis blass aussehen.

Das Verhalten der anderen Hersteller

Was momentan allgemein als Kaufwut dargestellt wird, ist in der Regel einfaches Kalkül: Technologischer Fortschritt ist wichtig, Wachstum ist wichtig, Stillstand ist Tod. Z.B. Symantecs Aquisition von PGP und GuardianEdge ist eine Reaktion auf verschiedene Ereignisse: McAfee kauft Safeboot, Check Point kauft PointSec, Sophos kauft Utimaco. Umstrukturierungen hinterlassen ihre Spuren.

Das Verhalten von Einkäufern in Unternehmen

Wirtschaftliche Schieflagen sind immer eine gute Argumentation den Herstellern den Arm auf den Rücken zu drehen, wenn es um die finanziellen Verhandlungen geht. Mehrwerte, Vertrauen und Partnerschaft scheinen in dieser Situation nicht mehr zu zählen.

Das Resultat ist: schnell, viel, billig. Hört sich an wie Slogan vom Discounter. Wie angesprochen, möchte ich nicht abgelaufene Joghurts mit Softwarepannen vergleichen aber es drängt sich auf.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich heilfroh bin, dass Sophos in den letzten Jahren sich keine „Klopse“ in puncto fehlerhafter Erkennung geleistet hat. Britisches understatement. Touch wood.

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