Datenschutz für Bewerber und Angestellte

Bundesjustizministerin Leutheuser-Schnarrenberger hat auf einer Tagung der evangelischen Akademie in Tutzing angekündigt den Datenschutz „auf die Höhe der Zeit“ zu bringen. Diese Aussage kam im Zusammenhang mit Bespitzelungsskandalen deutscher Unternehmen in letzter Zeit. Vor allem Bewerber sollen vor z.B. unnötigen Bluttests und „unzulässigen Internetrecherchen“ zur Entscheidungsfindung bei Einstellungen geschützt werden. Das schließt auch das „einschleichen“ in Soziale Netzwerke ein bzw. aus.

Ich fürchte Frau Leutheuser-Schnarrenberger hat leider die „Höhe der Zeit“ schon jetzt verschlafen: Die Benutzer sozialer Netzwerke befinden sich schon seit längerem im Konflikt zwischen Privatsphäre, Voyeurismus und dem laxen Umgang mit den Nutzerdaten seitens der Netzwerkbetreiber.

Nehmen wir mal Xing in einer potentiellen Bewerbungssituation. Auf der einen Seite stelle ich relativ viele Daten über meine berufliche und evtl. private Vergangenheit in den öffentlichen Teil meines Profils, auf der anderen Seite möchte ich meine Privatsphäre schützen. An sich schon eine paradoxe Situation, denn stelle ich nur einen kleinen Teil meiner Daten in das öffentliche Profil, bin ich uninteressant für Unternehmensberater, Headhunter und Personalchefs, die oft eine größere Datenmenge bewältigen müssen. Automatisierte Suchsysteme würden dabei natürlich auch ins Leere laufen. Um Otto Waalkes zu zitieren: Hmpf.

Man sollte vielleicht in kleinen Etappen anfangen und Benutzern die Gefahren sozialer Netzwerke plastisch deutlich machen (ähnlich der Todesplakate an der Autobahn) und parallel den Betreibern beibringen wie Datenschatz geschrieben wird. Das hat wahrscheinlich schon einen größeren Effekt, als den Personalchefs – für die ich hier keine Lanze breche – Handschellen anzulegen. Das Ergebnis für den Bewerber wäre sowieso das gleiche: Die Stelle wird der Datenexhibitionist bekommen.

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