Terra gegen Giga und Mega

Das Recht- und Unrechtbewusstsein hat sich in den letzten 40 Jahren stark verändert: Auf dem Pausenhof gab es einen ausgeprägten Darwinismus (vor allem weil Mutti nicht per Handy schnell zur Hilfe geholt werden konnte), allerdings waren Begriffe wie „Loyalität“, „falsch“ und „richtig“ einigermaßen sauber in den Köpfen der Menschen implantiert. Das digitale Zeitalter – nachdem wir BTX/CompuServe/AOL sauber überlebten und nun Internet pur genießen – hat vieles davon verändert. In der Flut von Informationen kann ich eigentlich keine wirkliche Meinung bilden, Objektivität und Authentizität bleibt auf der Strecke und damit ist es schwierig, das eigene Rechtsempfinden ordentlich zu füttern – Stichwort: Wikipedia für Schulaufsätze oder Referate, zum Beispiel. Dem eigenen Nachwuchs zu erklären, dass es nur noch die Hälfte glauben soll, ist auch nicht sinnig, es bleibt nämlich die Frage welche davon. Ein breiteres Thema (auch für Singles, kinderlose und werdende Eltern) sind Urheberrechtsverletzung: Das Besorgen und Anschauen eines (raub-)kopierten Films verkommt zu einer Art von grenzwertigem Kavaliersdelikt, vereinzelt wundern sich Menschen, wenn sie dann von abmahnwütigen Anwälten mit Post bedacht werden. Wenn man eine rote Ampel überfährt oder mit mehr als 50km/h in der Stadt herumdüst (in Wiesbaden eine grandiose Idee), wundert man sich nicht wirklich, dass Tage später ein beigefarbener Umschlag vom Regierungspräsidenten kommt (obwohl das Gesicht ähnliche Entgleisungen erfährt). In beiden Situationen ist die Rechtslage eindeutig, aber anscheinend ist zwischendurch etwas verlorengegangen. Die US-Behörden haben kürzlich die Internet-Platform Megaupload geschlossen, weil hauptsächlich unerlaubt kopierte Musik und Filme sich auf den Festplatten des Filehosters befanden. Jetzt schlagen die selbsternannten Robin Hoods des Internet zurück und greifen die Aufsteller der Urheberrechtsregeln an. Schräge Entscheidung, wenn man Partei ergreifen sollte…

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One Response to Terra gegen Giga und Mega

  1. MM says:

    Das Problem der Bagatellisierung von Urheberrechten ist sicherlich gegeben.
    Aber vielleicht sollte die Industrie auch Ihre „Strategie“ überdenken, das Geld welches in Kopierschutzmechanismen, Abmahnanwälte und Lobbyismus fließt, kann man sicherlich auch anders einsetzen. Menschen sind bereit Geld für Medien auszugeben, Angebote wie simfy oder Itunes etc. Match beweisen dies. Die Industrie täte gut daran, sich faire & funktionierende Geschäftsmodelle auszudenken. Die Zeiten haben sich nunmal geändert, die Geschäftsmodelle sollten dies auch tun.

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