Penultimate hop popping

…übersetzt für die nicht MPLS-kundige Bevölkerung: Der Vorletzte macht das Licht aus, damit den Letzten die Hunde beißen können. Sie werden sich jetzt fragen: Hat der Pfeiffer noch alle Gurken im Glas? Das frage ich mich manchmal auch und ist eventuell ein Grundvoraussetzung für mein Leben geworden. Genauso drängt sich mir gerade auf: Wie viele mittelglaubwürdige Blog-, Foren-, Wiki- und pseudo Newsbeiträge braucht es, um Authentizität oder wenigstens ein einprägsames Image zu erzeugen? Zwei Beispiele: Ein schwedische Videoprouktionsfirma setzt gekonnt eine irre Konstruktionszeichnung einer Schraube, die angeblich im iPhone 5 zum Einsatz kommt, in Szene und läßt auf wenigen Internetseiten die Bilder und Vermutungen dazu lancieren. In einer unglaublichen Geschwindigkeit wird aus der Vermutung eine Art Realität, weil die Anhänger des i-Glaubens sich an jeden Strohhalm klammern, selbst wenn sie von neuen Steckern verärgert werden. Sogar etablierte Medien nehmen die Vermutung auf und geben dem Ganzen den nötigen journalistischen Touch. Peng, es ist „echt“. Und da regen wir uns auf, wenn unsere Kinder ihre Hausaufgaben mit Hilfe des ultimativen Hausaufgabenhelfers erledigen: Wikipedia. Leider steht nicht neben jeder Webseite ein Michael Schanze und sagt: „Ob ihr recht habt oder nicht, sagt euch gleich das Licht“ (heute moderiert „1, 2 oder 3“  Elton, der ewige Praktikant. Soviel dazu). Für diese Erfindung gäbe es sicher den Internetnobelpreis, der aus einem Glasfaserknäuel besteht.

Zweites Beispiel: Anonymous. Die Guy-Fawkes-Maske war bis vor maximal drei Jahren eher mit Karneval in Venedig oder mit Schmierenkomödianten in Verbindung zu bringen. Heute erkennt jeder sofort: Ach du Alarm, Hacker am Werk. Allerdings mit wechselnder Sympathiekurve: Wenn es den reichen und mächtigen Konzernen oder wie anfänglich auch den Scientologen an die Wäsche geht, ist es in Ordnung. Wenn wiederum das Playstation Network nicht mehr tut, schreien alle Kinder und die andern 560000 Onlinesüchtigen und finden es Kacke. Zuletzt musste Dirk Bach posthum dran glauben, das war nicht nett!! Die Homo-Hölle gibt es sowieso nicht, da jeder in Zeiten des Euro-Rettungsschirms sich von jeglichen religiösen Konzepten wie Himmel oder Hölle frei macht (abgesehen davon: böse Mädchen kommen sowieso überall hin).  Zweifelsohne sind die Maskenträger ungewollt (?) mit ihren Worten, Videos und Taten an einer der größten IT-Sicherheitsaufklärungskampagne nicht unwesentlich beteiligt: Jeder Schluffi weiß jetzt, wie angreifbar Firmen und sogar Staaten sind und wie leicht es einen selbst erwischen könnte. „Zero-Day-Exploits“, „Botnetze“ und „distributed Denial of Service Attacken“ sind salonfähig geworden. Vor fünf Jahren hätte sich kein Mensch um Hacker geschert oder schon im Frühstücksfernsehen von Lady Gagas Besuch bei Julian Assange informieren lassen. Wieso tun wir uns das an? Ich mach erst mal das Licht aus, will nicht der Letzte sein…